<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Follow-on-Forces-Attack</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Follow-on-Forces-Attack"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Follow-on-Forces-Attack rootpage-Follow-on-Forces-Attack skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Follow-on-Forces-Attack</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>FOFA</b> (Follow-on-Forces Attack<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) war ein militärisches Konzept der <a href="NATO" title="NATO">NATO</a> bzw. Militärdoktrin in der Zeit des <a href="Kalter_Krieg" title="Kalter Krieg">Kalten Krieges</a> der 1980er Jahre, welches ermöglichen sollte, feindliche Kräfte des <a href="Warschauer_Pakt" title="Warschauer Pakt">Warschauer Paktes</a> im Verteidigungsfall bereits in der Tiefe des Raumes bekämpfen zu können.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ausgangslage">Ausgangslage</h2></div>
<p>Die NATO entwickelte für Westeuropa eine Reihe strategischer Konzepte, um einem möglichen konventionellen Angriff des Warschauer Paktes begegnen zu können. Militärplaner der NATO sahen die Problematik einer starren Verteidigung an der innerdeutschen Grenze darin, dass die geographische Breite des „Hinterlandes“, insbesondere am <a href="Fulda_Gap" title="Fulda Gap">Fulda Gap</a> zu gering sei, um einem großflächigen Angriff des Warschauer Paktes angemessen begegnen zu können. Die Entfernung von <a href="Fulda" title="Fulda">Fulda</a> nach <a href="Frankfurt_am_Main" title="Frankfurt am Main">Frankfurt</a> beträgt lediglich 86 Kilometer Luftlinie und 375 Kilometer Luftlinie von Frankfurt bis <a href="Den_Haag" title="Den Haag">Den Haag</a> in der Nähe der Nordseeküste. Diese geringen Entfernungen<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> würden den NATO-Streitkräften kaum Möglichkeiten bieten, sich bei einer sowjetischen Offensive ins „Hinterland“ zurückfallen zu lassen und aus der Tiefe des eigenen Verteidigungsraumes einen effektiven Gegenschlag vorbereiten zu können. Eine Gegenoffensive würde dann von einem Territorium aus geführt werden müssen, dessen Infrastruktur durch Luftschläge und Artilleriefeuer bereits stark zerstört sein würde.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Unter Berücksichtigung dieser Parameter und dem Ungleichgewicht der Truppenstärken beider Konfliktparteien könnte die Verteidigungsfähigkeit der NATO bereits nach geschätzten drei bis vier Tagen zusammenbrechen, so US-General <a href="Bernard_W._Rogers" title="Bernard W. Rogers">Bernard W. Rogers</a>.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Seiner Meinung nach würde ein Scheitern der konventionellen Kriegsführung der NATO einem möglichen Einsatz von taktischen Nuklearsprengköpfen Vorschub leisten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zielsetzung">Zielsetzung</h2></div>
<p>Das FOFA-Prinzip beruhte auf Überlegungen von General Rogers im Jahr 1984<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
und wurde als „Langzeitplanungsrichtlinie für die Bekämpfung von Folgekräften“<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> auf dem NATO-Hauptquartier in Brüssel vorgestellt.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Rogers bezeichnete FOFA als ein Konzept, bei dem die fehlende Verteidigungstiefe der NATO durch die Bekämpfung von feindlichen Zielen im „Hinterland“ des Gegners kompensiert werden könnte. Follow-on-Forces Attack hatte das Ausschalten von nachrückenden Truppenteilen (Angriff auf nachfolgende Kräfte) des Warschauer Paktes als Hauptschwerpunkt. Dabei wurde die Reichweite, ob 50 oder 500 Kilometer, von Rogers zunächst nicht näher definiert bzw. eingegrenzt. Das FOFA-Konzept war nur ein Teil des gesamten Rogers-Planes, welcher mehrere Maßnahmen eines Angriffs in die Tiefe des gegnerischen Raumes beinhaltete. Außerdem gehörten neben dem FOFA-Konzept, die <a href="AirLand-Battle-Konzept" title="AirLand-Battle-Konzept">Air-Land-Battle-Doktrin</a>,<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die Vernichtung der feindlichen Luftstreitkräfte am Boden, sowie die Verhinderung eines Aufschließens der zweiten und dritten Angriffsstaffel des Gegners zu den Grundlagen des NATO-Kriegsführungskonzeptes.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Rogers-Plan beinhaltete eine generelle Modernisierung der konventionellen Waffensysteme durch technisch-elektronische Kriegsführung.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein anderes Wort für das FOFA-Konzept auf einem möglichen europäischen Kriegsschauplatz war die Bezeichnung „Strike Deep“ und bedeutete im weiteren Sinne eine Konventionalisierung von Kampfmitteln und strategischen Abläufen, welche mehr Spielräume für eine bewegliche Kampfführung bei der Bekämpfung von Zielen in einer Entfernung bis 150 Kilometern schaffen könnte.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geplante_Durchführung"><span id="Geplante_Durchf.C3.BChrung"></span>Geplante Durchführung</h2></div>
<p>Der zu bekämpfende Raum des Gegners und die Reichweite der zum Tragen kommenden Waffensysteme wurde von den westalliierten Planern gemäß FOFA-Konzept nach <a href="Polen" title="Polen">Polen</a>, die <a href="Tschechoslowakei" title="Tschechoslowakei">Tschechoslowakei</a> bis in die westlichen Militärbezirke der UdSSR ausgedehnt. Mit <a href="Marschflugk%C3%B6rper" title="Marschflugkörper">Marschflugkörpern</a> und <a href="Rakete" title="Rakete">Raketen</a> sollten dort gezielt <i>Flugplätze, Brücken und Eisenbahnknotenpunkte</i> ausgeschaltet werden. Des Weiteren sollte die <i>Bereitstellung und Konzentration von Panzereinheiten</i> und das <i>Kommando- und Fernmeldesystem</i> nachhaltig zerschlagen sowie der <i>Aufmarsch der zweiten Angriffswelle des Gegners</i> gestört oder vernichtet werden und damit eine operative Deep Combat Zone geschaffen werden. Rogers Vorschlag hätte den Vorteil, die vorherrschende NATO-Doktrin der „<a href="Flexible_Response" title="Flexible Response">Flexible Response</a>“ beizubehalten und nicht notwendigerweise eine nukleare Eskalation des Konfliktes befürchten zu müssen.
Rogers veranschlagte die NATO-Mehrausgaben in einer geschätzten Höhe von 90 Milliarden DM, aufzubringen in einer Zeit von insgesamt zehn Jahren.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Assault_Breaker">Assault Breaker</h3></div>
<p>Im Rahmen des FOFA-Konzeptes wurden Assault-Breaker-Raketen (Marschflugkörper und ballistische Raketen) entwickelt, welche für eine Technik konzipiert wurden, große Reichweiten zu erreichen und Fernziele im Hinterland des Gegners, wie z. B. Nachschubbasen, erfolgreich zu orten und zu bekämpfen. <a href="Heer" title="Heer">Heer</a> und <a href="Luftwaffe_(Bundeswehr)" title="Luftwaffe (Bundeswehr)">Luftwaffe</a> verzichteten auf eine Weiterentwicklung der Assault-Breaker-Technologien, da ein NATO-Korps einen wöchentlichen Munitionsbedarf von acht Milliarden US-Dollar aufbringen müsste.
Als Assault Breaker waren folgende Gefechtsköpfe und Raketentypen vorgesehen:
</p>
<ul><li>AVCO „Skeet“ (BLU-108/B Sensor-Fuzed Weapon)</li>
<li>General Dynamics TGSM (Terminally-Guided Sub-Missile)</li>
<li>T-16<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> angelehnt an MIM-104 Patriot</li>
<li>T-22 (MGM-52 Lance ballistic missile)</li></ul>
<p>In den Jahren 1981/1982 wurden 14 Testflüge unter nicht gefechtsnahen<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bedingungen unternommen. Die Raketen wurden mittels PAVE MOVER Radar<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ins Ziel gelenkt. 1982 wurde das Assault Breaker Programm vorerst beendet. Die Konzeption, gepanzerte Ziele hinter den Linien zu bekämpfen, ging später in das Konzept der MGM-140 ATACMS (Army Tactical Missile System) Missiles auf.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Erst 1986 stand eine ausgereifte Waffentechnologie zur Verfügung, welche die Pläne von Rogers möglicherweise hätte verwirklichen können. Diese Generation der Lenkwaffen hatte eine erhöhte Treffgenauigkeit, die bislang nur taktischen Atomwaffen zu eigen war, so dass mit einem Schlag bis zu 60 Prozent einer Panzerkompanie hätte ausgeschaltet werden können. Ein neuer Typ <a href="Raketenwerfer" title="Raketenwerfer">Mehrfachraketenwerfer</a> der <a href="Bundeswehr" title="Bundeswehr">Bundeswehr</a> sei in der Lage, intelligente Munition zu verschießen. Munitionsarten, die beispielsweise nur auf bestimmte Panzertypen antworten. Neu entwickelte Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 100 Kilometern und einer intelligenten Art von Submunition<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> könnte somit sehr exakt gegen feindliche <a href="Gefechtsstand" title="Gefechtsstand">Gefechtsstände</a>, Aufmarschräume, Verkehrsknotenpunkte und Marschkolonnen eingesetzt werden.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kritik">Kritik</h2></div>
<p>Bereits im Weißbuch 1985<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wurde zum Ausdruck gebracht, dass die NATO-Streitkräfte aufgrund ihrer Struktur und Auslegung ihrer <a href="Logistik" title="Logistik">Logistik</a> nicht zu einer offensiven Kriegsführung befähigt seien. Somit hätten sie auch nicht das Potenzial dazu, Gegenangriffe mit terrestrischen Streitkräften in die Tiefe des gegnerischen Raumes zu führen.
</p><p>Kritiker, wie zum Beispiel Verteidigungsminister <a href="Manfred_W%C3%B6rner" title="Manfred Wörner">Manfred Wörner</a> bemängelten an FOFA die zu erwartenden hohen Kosten durch die Nachrüstung. Bundeswehr-Generalinspekteur <a href="Wolfgang_Altenburg" title="Wolfgang Altenburg">Wolfgang Altenburg</a> riet dazu, im Verteidigungsfall alle Konzentration auf die Abwehr des ersten Angriffsschlages der ersten Offensivwelle zu richten. Die Bekämpfung nachrückender Truppen sei dabei zunächst sekundär.
</p><p>Für Rogers hatte sowohl die Vorneverteidigung als auch Schläge gegen Nachfolgekräfte des Gegners die gleiche Priorität.
</p><p>Außerdem wurde befürchtet, dass sich die Elektronik für die bereitzustellenden Waffensysteme in Zukunft stark verteuern würden und das Budget damit weit überstiegen werden wird. So hatten sich z. B. Marschflugkörper von 2,2 Millionen USD auf 6,4 Millionen USD verteuert. Für die Bekämpfung der 40 wichtigsten Militärflugplätze im Ostblock wären 800 konventionell ausgerüstete Assault-Breaker-Raketen notwendig. Der Pentagon-Berater Donald Cotter gab eine Menge von 3.000 Flugkörper bekannt, wollte man dazu auch noch feindliche Panzerkolonnen ausschalten.
</p><p><a href="Timothy_Garden%2C_Baron_Garden" title="Timothy Garden, Baron Garden">Timothy Garden</a>, Direktor für Verteidigungsstudien der britischen Royal Air Force gab zu bedenken, dass „der Abschuß einer großen Zahl von Raketen schon in den ersten Stunden eines bewaffneten Konflikts den Sowjets eine außerordentlich kurze Zeit lassen würde um zu entscheiden, ob es sich um einen nuklearen Schlag der Nato handelt oder nicht“. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die andere Seite den Einschlag der FOFA-Raketen unbeantwortet abwarten würde und nicht möglicherweise sofort mit atomaren Gefechtsköpfen reagieren könnte.
</p><p>Der US-Militäranalytiker Steven Canby<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> vertrat die Meinung, dass die aufzubietende Menge an FOFA-Raketen kaum die 30 Divisionen der ersten Angriffswelle aufhalten könnte, während sich dahinter eine zweite Welle von 70 Divisionen für die Offensive fertig machen würde.
</p><p>Auch hätten die FOFA-Raketen technische Mängel. So seien ihre Infrarotsensoren beispielsweise unter realen Gefechtsbedingungen nicht in der Lage, gezielt feindliche Panzerkolonnen aufzuspüren und zu bekämpfen. Panzertransporte auf Sattelschleppern würden keine besonders heißen Auspuffgase verbreiten, auf die die IR-Suchköpfe der FOFA-Raketen reagieren könnten. Der Einsatz von FOFA-Raketen auf mobile Ziele wurde im Allgemeinen als problematisch angesehen.
</p><p>Der Stratege David Greenwood kritisierte, dass mit den „Waffen von morgen die Ziele von gestern bekämpft werden sollen“. Würde der Warschauer Pakt anders als geplant reagieren und nicht alle 36 Stunden aufeinander abfolgende Angriffswellen gegen das Territorium der NATO werfen und zugleich mit der ersten Angriffswelle mit operativen Manövergruppen in Divisions- oder Armeestärke versuchen, den Durchstoß der Abwehrlinien zu erzwingen,<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wäre das FOFA-Konzept nach Meinung von Christopher Donnelly sofort wirkungslos. Das US-amerikanische Magazin Newsweek nannte die sowjetische Militärstrategie „Blitzing NATO“ in Anlehnung an die schnellen, panzergeführten Blitzkrieg-Vorstöße der <a href="Wehrmacht" title="Wehrmacht">Wehrmacht</a>.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> „Truppen des Warschauer Paktes stünden dann schon längst in den Stellungsräumen der konventionellen Nato-Raketen, noch bevor eine zweite sowjetische Staffel überhaupt auf dem Gefechtsfeld erschiene“.<sup id="cite_ref-spiegel-13513027_26-0" class="reference"><a href="#cite_note-spiegel-13513027-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>United States Congress, Office of Technology Assessment: <i>Technologies for NATO’s follow-on forces attack concept: a special report of OTA’s assessment on improving NATO’s defense response.</i> UNT Libraries Government Documents Department, Juli 1986, <a href="OCLC" title="OCLC">OCLC</a> <a rel="nofollow" class="external text" href="https://worldcat.org/oclc/4435153292">4435153292</a>.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/politik/blitzing-nato-a-8a765138-0002-0001-0000-000013513027"><i>Blitzing NATO</i>.</a> In: <i><a href="Der_Spiegel" title="Der Spiegel">Der Spiegel</a></i>. Ausgabe 48/1984. 25. November 1984.</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.princeton.edu/~ota/disk2/1987/8718/8718.PDF"><i>New Technology for NATO: Implementing Follow-On Forces Attack</i> </a>. In: <i><a href="Princeton_University" title="Princeton University">Princeton University</a></i>. Juni 1987. (PDF; 4,3 MB; 235 Seiten; englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://ota.fas.org/reports/8630.pdf"><i>Technologies for NATO’s Follow-On Forces Attack Concept. A Special Report of OTA’s Assessment on Improving NATO’s Defense Response</i></a>. In: <i><a href="Federation_of_American_Scientists" title="Federation of American Scientists">Federation of American Scientists</a></i>. Juli 1986. (PDF; 333 kB; englisch)</li>
<li>Lt.Col. Michael J. Diver, AV Senior Service College Fellow NETO Defense College: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.readcube.com/articles/10.21236%2Fada224090"><i>NATO’s Follow-On Forces Attack (FOFA) Concept: Past, Present and Future</i></a>. In: <i>readcube.com</i>. 1. Juli 1990. (PDF; 2,1 MB; 61 Seiten; englisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen_und_Einzelnachweise">Anmerkungen und Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Übers. Angriff auf nachrückende Kräfte</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Grenzstreifen zur <a href="DDR" class="mw-redirect" title="DDR">DDR</a> und der <a href="Tschechoslowakei" title="Tschechoslowakei">Tschechoslowakei</a> betragen nur 70 bis 100 Kilometer</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513027.html">Blitzing NATO, <i>Der Spiegel</i> 48, 1984. <i>„Die ‚Rückeroberung‘ durch die Nato würde über das ruinierte Schlachtfeld Deutschland führen – es gäbe kaum noch etwas, wofür zu kämpfen sich lohnte.“</i></a></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40781913.html"><i>Schlachtfeld Deutschland.</i></a> In: <i>Der Spiegel.</i> 38/1977, BMVg 1975/76 <i>„Längere konventionelle Schlachten in der dichtbesiedelten Bundesrepublik würden die Substanz dessen zerstören, was verteidigt werden soll, denn moderne konventionelle Waffensysteme wie Schüttbomben, Napalm und Flächenfeuerwaffen erreichen fast schon die Zerstörungswirkungen taktischer Nuklearwaffen. Ein konventioneller Krieg mit der Dauer von 20 Tagen hätte nach Ansicht von Bundeswehranalytikern die gleiche Wirkung wie ein nuklearer Krieg von fünf Tagen. Ein Krieg, der zweimal über die Menschen hinweggeht und halb zerstörtes Gebiet total verwüstet, würde Millionen Tote fordern und die Bundesrepublik in ein Trümmerfeld verwandeln.“</i></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Rogers, von 1. Juli 1979 bis 1987 <a href="Supreme_Allied_Commander_Europe" title="Supreme Allied Commander Europe">NATO-Oberbefehlshaber in Europa</a></span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Anthony King: <i>The Transformation of Europe’s Armed Forces.</i> Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-0-521-76094-2, S. 108.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Long Term Planning Guideline for Follow-On Forces Attack (FOFA)</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Our FOFA sub-concept is designed to attack with conventional weapons those enemy forces which stretch from just behind the troops in contact to as far into the enemy’s rear as our target acquisition and conventional weapons systems will permit</i>. In: Anthony King: <i>The Transformation of Europe’s Armed Forces.</i> Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-0-521-76094-2, S. 108.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Luft-Land-Schlacht. Erweiterung der Kriegsfront durch <a href="Kampfhubschrauber" title="Kampfhubschrauber">Kampfhubschrauber</a> und Präzisionsmunition auf die rückwärtigen Verfügungs- und Bereitstellungräume des Gegners</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Olaf Achilles, Jochen Lange, Werner May: <i>Tiefflieger.</i> 2. Auflage. Rowohlt TB-V., 1991, ISBN 3-499-12579-X, S. 56.</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Olaf Achilles: Militärische Belastungsanalysen und Regionale Konversion. Kommunale Instrumente für eine abgerüstete Region, S. 20.</span>
</li>
<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Schlag in die Tiefe</span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.gesis.org/sowiport/search/id/iz-solis-90037127"><i>Rogers-Plan, 'Airland Battle' und die Vorneverteidigung der NATO.</i></a> In: <i>Politik und Zeitgeschichte.</i> Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Bd. 48, 1984, S. 3–17.</span>
</li>
<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">T16, T22 n. d. Durchmesser in Inch</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text">„<i>and the system was never tested against fully combat-realistic (i.e. multiple moving) targets</i>“</span>
</li>
<li id="cite_note-16"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-16">↑</a></span> <span class="reference-text">Radarsystem der US Air Force</span>
</li>
<li id="cite_note-17"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-17">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.designation-systems.net/dusrm/app4/assault-breaker.html">Directory of U.S. Military Rockets and Missiles, Assault Breaker</a></span>
</li>
<li id="cite_note-18"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-18">↑</a></span> <span class="reference-text">Untermunition wie z. B. Bomblets oder <a href="Streumunition" title="Streumunition">Streumunition</a></span>
</li>
<li id="cite_note-19"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-19">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13521070.html"><i>Der Spiegel</i> 43/1986, Mit neuem Schwung entwickeln, Die SDI-Technologie verbessert die konventionellen Waffen</a></span>
</li>
<li id="cite_note-20"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-20">↑</a></span> <span class="reference-text">SDI: Strategic Defense Initiative</span>
</li>
<li id="cite_note-21"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-21">↑</a></span> <span class="reference-text">BMVg: Weißbuch 1985, S. 9.</span>
</li>
<li id="cite_note-22"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-22">↑</a></span> <span class="reference-text">BMVg: <a href="Bundesministerium_der_Verteidigung" title="Bundesministerium der Verteidigung">Bundesministerium der Verteidigung</a></span>
</li>
<li id="cite_note-23"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-23">↑</a></span> <span class="reference-text">Steven L. Canby: The Operational Limits of Emerging Technology, International Defense Review, S. 878, Juli 1985.</span>
</li>
<li id="cite_note-24"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-24">↑</a></span> <span class="reference-text">innerhalb von 24 Stunden, so der Ansatz der Militärstrategen des Warschauer Paktes, sollten diese bereits im Rücken der NATO-Front operieren</span>
</li>
<li id="cite_note-25"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-25">↑</a></span> <span class="reference-text">die Planung sah vor, einen konventionellen Krieg in Westeuropa innerhalb weniger Tage siegreich zu Ende führen zu können</span>
</li>
<li id="cite_note-spiegel-13513027-26"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-spiegel-13513027_26-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><cite style="font-style:italic">STRATEGIE: Blitzing Nato</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Der_Spiegel" title="Der Spiegel">Der Spiegel</a></cite>. <span style="white-space:nowrap">Nr.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>48</span>, 1984 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513027.html">online</a> – <span style="white-space:nowrap;">26. November 1984</span>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Follow-on-Forces-Attack&rft.atitle=STRATEGIE%3A+Blitzing+Nato&rft.date=1984&rft.genre=journal&rft.issue=48&rft.jtitle=Der+Spiegel" style="display:none"> </span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-12-21" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Follow-on-Forces-Attack&oldid=262625331">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>
</body></html>